Big picture

Wie ist die Gesamtsituation an den Finanzmärkten sowie in Wirtschaft und Politik in den EURO-Staaten zu beurteilen?

(Stand: 13.01.2012, wird in unregelmäßigen Zeitabständen aktualisiert)


Die Verschuldung von Staaten, Banken, Unternehmen, Kommunen und offensichtlich auch vieler Bürger hat – über die letzten Jahrzehnte hinweg gesehen – neue Höchststände erreicht.

Betrachtet man lediglich die offiziell ausgewiesenen Schulden der EU-Staaten, so wird man leicht erkennen können, dass diese Schulden niemals mehr zurückgezahlt werden können. Im Gegenteil: der Schuldenberg wird überproportional weiter wachsen. Alleine die Zinsbelastung ist in vielen Staaten schon so groß geworden, dass sie die Staatshaushalte erheblich belasten und so die Regierungen letztendlich in eine Situation der Handlungs-unfähigkeit drängen.

Dieser Falle zu entkommen, gibt es – zumindest theoretisch – folgende fünf Handlungsalternativen:

1. Mehr Wachstum schaffen:                                                                                            um über diesen Weg überhaupt eine Chance zu haben, müsste das Wachstum entsprechend höher sein als die jährliche Neuverschuldung. Bei den derzeitigen Neuverschuldungsraten – zumindest der EU-Volkswirtschaften – müsste das Wachstum auf mindestens x% des Bruttosozialproduktes gesteigert werden, um erst einmal ohne Neuverschuldung auszukommen. Die Frage ist, woher dieses Wachstum angesichts der derzeitigen Lage in den Volkswirtschaften (Überalterung der Bevölkerung und in einigen Staaten zu geringe Wettbewerbsfähigkeit) und an den Finanz- bzw. Kreditmärkten kommen soll.                                                                                              Wahrscheinlichkeit: 0%

2. Kosten einsparen:                                                                                                       Dies bedeutet volkswirtschaftlich gesehen, dass der Staat weniger Geld ausgibt und dem Markt damit Geld entzogen wird. Die Nachfrage nach Gütern, Vermögenswerten (z.B. Immobilien, Aktien  etc.) lässt nach einiger Zeit nach, die Wirtschaftstätigkeit bzw. -leistung sinkt, Preise fallen tendenziell (Deflation) und die Arbeitslosigkeit steigt. Im Extremfall kann dies zu politischen Unruhen führen.                                                                                                      Wahrscheinlichkeit: 10%

3. Restrukturierung von Schulden:                                                                                  da die Verschuldung von Staaten in erster Linie über Staatsanleihen erfolgt, würde dies in erster Linie die Banken treffen. Darüber hinaus aber auch Pensionsfonds, Kapitalsammelstellen wie z.B. Fonds etc. und damit letztendlich alle Bürger mit entsprechenden Besitz-bzw. Rentenansprüchen. Die meisten Banken dürften nicht die nötige Kapitalausstattung aufweisen, um sich auf ein solches Szenario einzulassen. Bei Eintreten eines offiziellen Staatsbankrotts, hätte sich dieses Szenario allerdings bereits erfüllt. Für den einzelnen Bürger wird dies mit sehr schmerzhaften Vermögens- und Besitzanrechtsverlusten verbunden sein.                                                                                                          Wahrscheinlichkeit: vorerst 30%, später 100%

4. Inflationierung durch weiteres “Geld drucken”, Schulden machen:    Inflation (lat.: Aufbähung) ist die Ausweitung der Geldmenge über den volkswirtschaftlichen Geldbedarf, wodurch die Preise für Güter und Dienste erheblich steigen und somit das Geld entwertet wird. Dies kann sowohl durch eine höhere Nachfrage nach Gütern, Dienstleistungen und Vermögenswerten bei zunächst gegebenen Preisen entstehen oder -analog- durch ein Zurückbleiben des Angebotes hinter der Nachfrage. Längerfristig wird Inflation durch eine Ausweitung der Geldmenge (d.h. durch Drucken von mehr Geld) bzw. durch neue Schulden (vor allem durch die Ausgabe neuer Staatsanleihen etc.) erzeugt. der Ökonom Keynes sprach davon, dass der Staat über kontinuierliche Inflation heimlich und unbeachtet einen großen Teil des Vermögens seiner Bürger konfisziert.                                                                                                Wahrscheinlichkeit: 50%

5. Zinsen künstlich niedrig halten (wie Japan in den letzten beiden Jahrzehnten):                                                                                                                Dieser Weg wäre generell möglich, funktioniert aber nur solange, wie das Vertrauen in die entsprechenden Staaten vorhanden ist. Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass dieses Vertrauen mehr oder weniger stark schwindet. Die betroffenen Staaten müssen dies mit entsprechend höheren Zinsen zahlen, was die Verschuldungsproblematik zusätzlich verstärkt.                                                                                                  Wahrscheinlichkeit: 10%, später 0%

Unsere aktuelle Prognose:  Es deutet vieles darauf hin, dass es einen weitgehenden politischen Willen gibt, den EURO zu erhalten. Die Frage bleibt zur Zeit, welche Länder den EURO behalten werden. Wahrscheinlich wird es so etwas wie eine Kern-Euro-Zone geben. Die Politik ist derzeit gewillt, sehr viel Kapital einzusetzen, neue Garantien abzugeben und eine höhere Verschuldung in Kauf zu nehmen, was früher oder später zu einer sprunghaften Inflation führen wird, mit entsprechenden Konsequenzen (siehe unter 4.) und einer anschliessenden Schuldenrestrukturierung, in einigen Ländern verbunden mit einer Währungsreform.

Was sich aus dieser Einschätzung für den Investoren folgern lässt, lesen Sie unter der Rubrik “Massnahmen“.

 

 

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